Nach der Zinskorrektur hat sich der deutsche Immobilienmarkt neu sortiert: Kaufpreise haben nachgegeben, Mieten sind weiter gestiegen — die Anfangsrenditen liegen wieder über den Finanzierungskosten vieler Objekte. Ob sich ein Investment trägt, entscheidet 2026 weniger der Markt als die Struktur: Abschreibungsregime, Rechtsform und Exit-Planung bestimmen die Nachsteuerrendite stärker als der Einkaufspreis.

Die Ausgangslage: Renditen sind zurück, Selektion bleibt

Der Markt bietet wieder ein Umfeld, in dem sich rechnen lässt: realistischere Kaufpreise, angespannte Mietmärkte in den Ballungsräumen, strukturelle Wohnungsknappheit durch schwache Neubautätigkeit. Zugleich trennen Energieeffizienz und Lage die Anlageklasse in Gewinner und Verlierer — Sanierungsbedarf ist heute ein Preisfaktor, kein Randthema. Für professionelle Käufer heißt das: Objektauswahl nach Cashflow statt nach Wertsteigerungshoffnung, und Steuerstruktur vor Notartermin.

Das Abschreibungsregime: So viel AfA war selten

Warum die AfA-Frage vor dem Kauf fällt

Degressive AfA und § 7b-Sonderabschreibung hängen an Stichtagen, Effizienzstandards und Kostengrenzen — sie lassen sich nach dem Erwerb nicht mehr herstellen. Die Abschreibungsstrategie gehört in die Ankaufskalkulation, nicht in die erste Steuererklärung.

Die Strukturfrage: privat, KG oder GmbH

Drei Grundmodelle konkurrieren:

Bei größeren Transaktionen kommt die Grunderwerbsteuer-Architektur hinzu: Share Deals lösen Grunderwerbsteuer aus, wenn innerhalb von zehn Jahren mindestens 90 Prozent der Anteile übergehen (§ 1 Abs. 2a/2b GrEStG). Und wer Betriebsimmobilien veräußert, sollte die § 6b-Rücklage kennen, bevor der Gewinn versteuert ist.

Finanzierung und Stresstest

Die Zeiten der Ein-Prozent-Finanzierung kommen nicht zurück; kalkuliert wird 2026 mit konservativen Annahmen: Kapitaldienstfähigkeit auch bei Anschlusszins über dem heutigen Niveau, Instandhaltungsrücklagen nach Alter und Zustand, energetische Capex-Planung über zehn Jahre. Professionelle Investoren rechnen die Nachsteuerrendite über den vollen Zyklus — Ankauf, Bewirtschaftung, Exit — statt mit Bruttoanfangsrenditen zu arbeiten.

Häufige Fragen

Wann lohnt sich eine Immobilie als Kapitalanlage?

Wenn der nachhaltige Cashflow nach Steuern, Instandhaltung und realistischem Anschlusszins positiv ist und die Struktur zur Exit-Strategie passt. Wertsteigerung ist Zugabe, nicht Kalkulationsgrundlage.

Welche AfA gilt für Neubauten?

Linear 3 Prozent; für Projekte mit Baubeginn zwischen Oktober 2023 und September 2029 wahlweise degressiv 5 Prozent vom Restwert — bei Effizienzhaus-40-Neubauten zusätzlich die § 7b-Sonderabschreibung.

Immobilie privat oder über eine GmbH kaufen?

Privat punktet mit der steuerfreien Veräußerung nach zehn Jahren, die GmbH mit niedriger laufender Besteuerung thesaurierter Mieterträge. Die Antwort hängt an Haltedauer, Ausschüttungsbedarf und Portfoliogröße.

Fatma Tabak, Steuerberaterin

Fatma Tabak

Steuerberaterin (Steuerberaterkammer Nordbaden) · Gründerin TABAK Consulting

Über 20 Jahre Beratungspraxis für Unternehmer, Investoren und Familienunternehmen. Steuerliche Vorbehaltsaufgaben erbringt die Partnerkanzlei TABAK Steuerberatung.

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