Der deutsche Mittelstand steht vor der größten Eigentümerrotation seiner Geschichte: Nach dem KfW-Nachfolge-Monitoring planen bis Ende 2029 jährlich rund 109.000 Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen eine Übergabe. Für Käufer ist das ein historisch günstiges Angebotsumfeld — wenn Prozess, Bewertung und Steuerstruktur professionell aufgesetzt sind.

Der Markt: Angebotsüberhang mit Auswahlproblem

Die Zahlen des KfW-Nachfolge-Monitorings (Januar 2026) zeichnen ein klares Bild: Einer wachsenden Zahl übergabewilliger Inhaber steht eine schrumpfende Käufergeneration gegenüber; mehr als eine halbe Million Inhaber erwägt bis Ende 2029 die Betriebsaufgabe, weil keine Nachfolge zustande kommt. Die durchschnittliche Kaufpreiserwartung für geplante Übergaben liegt bei rund 499.000 Euro — für qualifizierte Erwerber mit Eigenkapital und Finanzierungszugang ist der Nachfolgemarkt damit einer der zugänglichsten Einstiege in unternehmerisches Vermögen. Zentrale Anlaufstelle für kleinere Transaktionen ist die vom Bund unterstützte Börse nexxt-change; größere Mandate laufen über M&A-Berater und Banken.

Asset Deal oder Share Deal: Die Grundsatzentscheidung

Jede Transaktion beginnt mit der Strukturfrage:

Für Erwerber über eine Kapitalgesellschaft kommt hinzu: Veräußert die eigene Holding die Beteiligung später, bleibt der Gewinn nach § 8b KStG im Ergebnis zu 95 Prozent steuerfrei — die Mechanik haben wir hier im Detail beschrieben. Die Erwerbsstruktur entscheidet damit über die Exit-Besteuerung von morgen.

Grunderwerbsteuer bei Share Deals

Hält die Zielgesellschaft Immobilien, löst auch ein Anteilserwerb Grunderwerbsteuer aus, wenn innerhalb von zehn Jahren mindestens 90 Prozent der Anteile auf neue Gesellschafter übergehen (§ 1 Abs. 2a/2b GrEStG). Die Schwellen gehören in jede Strukturplanung mit Immobilienbestand.

Bewertung: Multiplikator trifft Realität

Im Mittelstand dominieren EBIT-Multiplikatoren, deren Bandbreite Branche, Größe und Inhaberabhängigkeit widerspiegelt. Wichtiger als die Formel ist die Normalisierung der Ertragsbasis: kalkulatorischer Unternehmerlohn, einmalige Effekte, nicht betriebsnotwendiges Vermögen, verdeckte Instandhaltungsstaus. Bei inhabergeprägten Betrieben ist der entscheidende Werttreiber die Übertragbarkeit von Kundenbeziehungen und Know-how — sie bestimmt, ob ein Earn-out oder eine Übergangsbegleitung des Verkäufers in den Vertrag gehört.

Due Diligence: Die Prüfpakete

Finanzierung und Steuerarchitektur

Die typische Erwerbsstruktur des Mittelstands ist die NewCo-Holding: Eine eigens gegründete Erwerbsgesellschaft nimmt Akquisitionsdarlehen auf, erwirbt die Zielgesellschaft und bedient den Kapitaldienst aus deren Ausschüttungen — innerhalb der Grenzen der Zinsschranke (§ 4h EStG) und unter Beachtung der Gesellschafterfremdfinanzierung. KfW-Programme und Bürgschaftsbanken ergänzen die Finanzierung bei kleineren Volumina. Ab 2028 verbessert der sinkende Körperschaftsteuersatz — schrittweise von 15 auf 10 Prozent bis 2032 — die Nachsteuerrendite auf thesaurierte Gewinne spürbar; unsere Analyse zum Investitionsbooster rechnet die Effekte durch.

Sieben Schritte zum Abschluss

  1. Suchprofil und Finanzierungsrahmen definieren
  2. Zielansprache (nexxt-change, M&A-Berater, Banken, Verbände)
  3. NDA, Informationsmemorandum, indikatives Angebot
  4. Letter of Intent mit Exklusivität
  5. Due Diligence und Strukturfestlegung (Asset/Share, Holding)
  6. Kaufvertrag: Garantien, Freistellungen, Earn-out, W&I-Versicherung ab mittlerer Größe
  7. Closing samt Vollzugsbedingungen — und die Meldepflichten danach (AWV, Transparenzregister, Handelsregister)

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital braucht ein Unternehmenskauf?

Als Faustgröße verlangen finanzierende Banken im Mittelstand typischerweise 20 bis 30 Prozent wirtschaftliches Eigenkapital; Förderinstitute und Verkäuferdarlehen können die Quote senken. Entscheidend ist die nachhaltige Kapitaldienstfähigkeit der Zielgesellschaft.

Asset Deal oder Share Deal — was ist steuerlich besser?

Für Käufer meist der Asset Deal (abschreibungsfähiger Kaufpreis), für Verkäufer meist der Share Deal (begünstigte Veräußerung). Der Interessengegensatz wird über den Preis verhandelt — eine belastbare Steuerstruktur auf beiden Seiten ist Voraussetzung.

Was ist nexxt-change?

Die größte deutsche Unternehmensnachfolge-Börse, getragen u. a. von KfW, DIHK und Verbänden. Sie vermittelt anonymisierte Verkaufs- und Kaufgesuche vor allem im kleineren Mittelstand.

Fatma Tabak, Steuerberaterin

Fatma Tabak

Steuerberaterin (Steuerberaterkammer Nordbaden) · Gründerin TABAK Consulting

Über 20 Jahre Beratungspraxis für Unternehmer, Investoren und Familienunternehmen. Steuerliche Vorbehaltsaufgaben erbringt die Partnerkanzlei TABAK Steuerberatung.

Kanzlei-Profil

Unternehmenskauf strukturieren.

Von der Zielprüfung über die Erwerbsholding bis zur Finanzierungsstruktur — wir begleiten Käufer durch die gesamte Transaktion.

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